WirtschaftsWoche

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11.10.2017

13:29 Uhr

Lange Wartelisten in Deutschland

So wollen Ökonomen zur Organspende motivieren

Von: Lilian Fiala

  In Deutschland gibt es zu wenig Organspender. Das wird zu einem immer größeren Problem. Wie lassen sich die Menschen besser motivieren, zum Spender zu werden? Ökonomen haben einen Lösungsvorschlag entwickelt.

Organspendeausweis dpa/dpaweb

Auch Ökonomen forschen mittlerweile nach einer Lösung für den Spendermangel.

Die Zahlen sind alarmierend: In Deutschland brauchen mehr als 10.000 Betroffene ein Spenderorgan. Die Wartelisten sind lang, gleichzeitig hat die Zahl der Spender 2016 mit nur 857 Menschen ihren tiefsten Punkt seit der Jahrtausendwende erreicht. Auch in diesem Jahr ist bisher keine Besserung zu erkennen: Im ersten Halbjahr 2017 spendeten 412 Menschen insgesamt 1331 Organe.

Krankenversicherungen, Ärzte und Betroffene engagieren sich dafür, Menschen zur Organspende zu bewegen. Es gibt zahlreiche Aktionen mit Namen wie „Entscheide Dich!“ oder „Jein zählt nicht!“. Und auch Ökonomen forschen mittlerweile nach einer Lösung für den Spendermangel. Annika Herr und Hans-Theo Normann vom Düsseldorfer Institute of Competition Economics (DICE) haben jetzt in einem Laborexperiment untersucht, wie sich die individuelle Bereitschaft erhöhen lässt, im Falle des eigenen Hirntods Organe zu spenden.

Das Experiment wurde in mehreren Runden am Computer mit insgesamt 384 Teilnehmern durchgespielt. Zu  Beginn konnten diese entscheiden, ob sie ihre Organe im Fall eines Hirntods prinzipiell spenden würden. Sollte beim Spieler ein fiktiver Hirntod eintreten, konnte dieser durch den Empfang eines Organs von einem anderen „verstorbenen“ Spieler weiterspielen. Die fiktiven Entscheidungen im Spiel führten zu echten Kosten im Experiment, indem für bestimmte Entscheidungen und Handlungen kleinere Summen von einem Startbetrag abgezogen wurden. Dies sollte die Belastung und den Organisationsaufwand der Spende-Entscheidung im realen Leben simulieren.

Bei Organversagen mussten Spieler wie im echten Fall auf eine Warteliste. Spieler, die sich zu Beginn des Spiels als Organspender registrierten, erhielten je nach Gruppe verschiedene Prioritätsboni in Form von gutgeschriebenen Warteperioden. Im Experiment wurde eine maximale Wartezeit von fünf Perioden bis zum Tod des Spielers vorausgesetzt. In der ersten Spielrunde registrierten sich ohne Aussicht auf Prioritätsbonus 44 Prozent der Spieler zu Beginn als Organspender. Bei einem Prioritätsbonus von ein und zwei Warteperioden stieg die Zahl auf 70 Prozent, bei Aussicht auf absolute Priorität auf 83 Prozent. In weiteren Spielrunden waren die Effekte weniger stark, blieben über die Zeit aber konstant.

Im Durchschnitt registrierten sich 45 Prozent ohne Bonus als Spender, 53 Prozent bei einem Bonus von einer Warteperiode, 59 Prozent bei einem Bonus von zwei Warteperioden und 68 Prozent bei einem Bonus von drei Warteperioden. Bei absoluter Priorität registrierten sich 69 Prozent als Spender. „Im Experiment führt die Prioritätsregel dazu, dass sich viel mehr Personen registrieren. Auch deshalb, weil die, die sich registrieren, denken, dass sie damit für ihre Bereitschaft belohnt werden“ sagt Annika Herr zum Ergebnis.

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