WirtschaftsWoche

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14.09.2017

11:47 Uhr

Mitarbeiterführung

So gehen Sie richtig mit Lowperformern um

Von: Louisa Lagé

  Ob neu oder schon lange dabei, sie sind überall: Lowperformer. Was sie nicht leisten, übernehmen andere. Das schadet den Unternehmen. Ab wann gilt ein Mitarbeiter als Lowperformer – und was können Manager tun?

Und dann saß da Frank*. Todunglücklich. Ohne zu wissen warum. Der 42-Jährige aus NRW ist ein typischer 9-to-5-Büromensch bei einem Finanzdienstleister. Sein Job ist ihm wichtig, seine junge Familie wichtiger. Sicherheit hat für ihn eine ebenso hohe Bedeutung wie geregelte Arbeitszeiten. Frank sucht Alltag statt Abenteuer, Konstanz statt Karriere.

Mitarbeiter wie Frank gelten in vielen Unternehmen als sogenannte Lowperformer, als "Dienst-nach-Vorschrift-Mitarbeiter", die nicht genügend Leistungen erbringen. Denn Frank macht keine Überstunden, seine Aufgaben erledigt er zwar ordentlich, aber nicht so schnell wie andere. Aber ist er deswegen wirklich ein Minderleister?

"Ein Arbeitnehmer schuldet seinem Arbeitgeber eine Arbeitsleistung mittlerer Art und Güte, also in wenigstens durchschnittlicher Form", erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin. "Lowperformer beziehungsweise Minderleister sind Arbeitnehmer, die diese durchschnittliche Arbeitsleistung eines Unternehmens nicht erbringen."

Der oder die Falsche für den Job: Fehlbesetzungen in deutschen Unternehmen

Zur Untersuchung

Die Internationale Hochschule Bad Honnef Bonn verglich die mittels Kompetenzanalyse ermittelten Fähigkeiten von 1300 Menschen mit deren Jobs.

Allgemein: 33 Prozent sind für ihren Job wirklich geeignet

Nur ein Drittel aller Teilnehmer sind wirklich goldrichtig auf ihrer Position. Alle anderen könnten in einer anderen Funktion genauso gut oder sogar besser arbeiten.

30 Prozent in großen, 32 Prozent in kleinen Unternehmen

Der Anteil der Fachkräfte in großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter), die perfekt sind, für ihren Job, liegt bei 30 Prozent. 70 Prozent könnten also mehr leisten, wenn sie einen anderen Job hätten. Bei den Fachkräften aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern sind 32 Prozent wie gemacht für ihren Job. Die restlichen 68 Prozent sind mit ihren Fähigkeiten auf ihrer Position irgendwie fehl am Platz.

Manager in großen und kleinen Unternehmen

Der Anteil der Führungskräfte in großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter), die mit ihren Kompetenzen in keiner anderen Rolle besser eingesetzt wären, ist mit 38 Prozent nur unwesentlich höher als bei Führungskräften aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern. Hier liegt er bei 37 Prozent.

31 Prozent der erfolgreichen Manager...

...wären in einer anderen Funktion noch besser und effektiver.

57 Prozent der mäßig erfolgreichen Manager...

... wären auf einer anderen Position besser aufgehoben.

37 Prozent der jungen Mitarbeiter...

Der Anteil relativ neuer Fachkräfte, die mit ihren Kompetenzen in einer anderen Rolle deutlich besser eingesetzt wären, liegt bei 37 Prozent.

43 Prozent der erfahrenen Fachkräfte...

Der Anteil der langjährigen Mitarbeiter, die auf einer anderen Position effektiver arbeiten würden, liegt bei 43 Prozent.

Fehlbesetzungen in Abhängigkeit von der Ausbildung

Der Anteil der Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung, die mit ihren Kompetenzen in keiner anderen Rolle besser eingesetzt wären (31 Prozent), ist annähernd identisch mit den Fachkräften mit Hochschulabschluss (30 Prozent).
Dagegen ist der Anteil der Führungskräfte mit beruflicher Ausbildung, die besser einen anderen Job machen würden, markant höher als bei Führungskräften mit Hochschulabschluss (30 Prozent).

Fehlbesetzungen nach Unternehmensbereich

Nur 43 Prozent der im Vertrieb tätigen Personen haben auch ihre optimale Rolle in diesem Bereich. Damit ist der Vertrieb der Unternehmensbereich mit den meisten Fehlbesetzungen.

Studien zeigen: Bis zu 20 Prozent einer Gesamtbelegschaft sind leistungsschwach, zehn Prozent von ihnen sind sogar regelrechte Leistungsverweigerer. Doch wer entscheidet, was "Leistung" ist und ab wann man darunter liegt? Sechs von zehn Unternehmen nutzen dazu das so genannte Monitoring, eine Methode, um die Leistungen ihrer Arbeitnehmer zu beobachten und zu bewerten. Die Resultate entscheiden über den Fortlauf, aber auch das Ende von Karrieren.

Die Krux: Wo ein Oben ist, ist auch ein Unten. Einer muss der schlechteste sein. Ist das Gesamtniveau eines Teams oder eines Unternehmens hoch, können schon ganz normale Mitarbeiter durchs Raster fallen. Mitarbeiter wie Frank. Fast 20 Prozent der deutschen Unternehmen haben dazu Verteilungsschlüssel, nach denen eine bestimmte Zahl der Mitarbeiter als Lowperformer einzustufen sind.

Keiner hat das so weit getrieben wie Jack Welch. Der berühmte Ex-CEO von General Electric war für seinen eisernen Führungsstil bekannt. Eine der umstrittensten Maßnahmen, die er einführte, war die 20-70-10-Regel. Demnach förderte er die besten 20 Prozent seiner Mitarbeiter, die sogenannten Sterne, mit hohen Boni, und feuerte die Zitronen, die schlechtesten zehn Prozent. Nicht umsonst nannte man Welch auch „Neutronenjack“, abgeleitet von der Neutronenbombe, die Menschen zerstört, Maschinen und Gebäude aber unbeschädigt lässt.

Welcher Typ Mitarbeiter als Erster gefeuert wird

Wer kommt ins Fadenkreuz?

Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

Der Besserwisser

Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

Der Rivale

Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

Der Miesmacher

Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

Die Schlafmütze

Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

Das Alpha-Tier

Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

Der Oberexperte

Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

Die graue Eminenz

Manchmal gibt es Urgesteine in einer Abteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

Der Vorzeigestar

Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

Der treue Paladin

Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

In Deutschland im Jahr 2017 ist so etwas nicht möglich. Bevor man einen Mitarbeiter wegen schlechter Leistungen kündigen kann, muss er abgemahnt werden. Doch das ist kompliziert, erklärt auch Arbeitsrechtler Bredereck. „Abmahnungen wegen Minderleistung sind äußerst schwierig zu formulieren, wenn sie wirksam sein sollen.“

Eine Kündigung ist ungleich schwieriger. „Der Arbeitgeber muss die Kündigungsgründe vollumfänglich darlegen und beweisen“, so Bredereck. Dazu gehöre es auch, nachzuweisen, dass der Arbeitnehmer seine Möglichkeiten nicht voll ausschöpft. Zudem müsse belegt werden, dass der Arbeitgeber nicht selbst schuld ist, weil er die Stelle falsch besetzt hat.

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