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17.03.2017

20:00 Uhr

Aktien

"Defensive Dividendentitel haben ihren Zenit erreicht"

Von: Heike Schwerdtfeger

Interview  Konjunkturoptimisten setzen jetzt auf Aktien, die etwas zyklischer sind. Welche Unternehmen zu der Riege gehören und warum sie interessant sind, erläutert Fondsmanager Anko Beldsnijder vom Fondshaus Fidecum.

Das Firmenlogo vor dem Hauptsitz der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main (Hessen). dpa

Das Firmenlogo vor dem Hauptsitz der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main (Hessen).

WirtschaftsWoche Online: Nach der Wahl in den Niederlanden, bei der der Kandidat der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (PVV) Geert Wilders nicht gewonnen hat, atmen Anleger an den Börsen auf. Trotzdem wird Europa noch immer als Krisenkontinent wahrgenommen. Schockt sie das nicht?
Herr Anko Beldsnijder: Ich stamme selbst aus den Niederlanden und freue mich, dass der gemäßigtere Kandidat gewonnen hat, aber damit sind natürlich nicht alle Probleme in Europa gelöst. Als Fondsmanager ist die politische Situation für mich ein Handicap, aber bei der Auswahl von Unternehmen eher eine Randnotiz. Weltweit sind die Wirtschaftsdaten in Ordnung, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Einkaufsmanagerindizes stimmen weiterhin optimistisch. Die Aktien sind im Schnitt an den europäischen Börsen im Vergleich zu den USA gemessen am Verhältnis aus Preisen und dem Buchwert des gehaltenen Vermögens so günstig wie seit 1972 nicht mehr. Es gibt Unsicherheiten, aber die scheinen bereits in den Kursen enthalten zu sein. Deshalb fällt es mir schwer, pessimistisch zu sein, weil ich vor allem Wachstumsaktien günstig kaufen kann. Ich weiß, dass es heutzutage besser ankommt, wenn man schwarzmalt und sagt, man müsse sehr vorsichtig sein. Aber ich sehe auch viel Positives. Auch die Unternehmen tendieren zum Optimismus. 

Vita

Anko Beldsnijder

Anko Beldsnijder verantwortet den europäischen Aktienfonds avant-garde Stock Fund bereits seit 2004. Zunächst bei Mainfirst in Frankfurt und jetzt bei der Bad- Homburger Fondsboutique Fidecum. Beldsnijder war zuvor Fondsmanager bei ABN Amro in Amsterdam und bei Credit Suisse in Zürich. Der Diplom-Volkswirt ist seit mehr als 20 Jahren im Aktiengeschäft tätig.

Sie investieren in wachstumsstarke Unternehmen. Was bedeutet das?
Der Kapitalmarkt soll zwischen Unternehmen und Investoren vermitteln, die das Wachstum der Unternehmen finanzieren. Für den Fidecum avant-garde Stock Fund suchen wir gezielt in Europa nach Unternehmen, die ein hohes und stabiles Gewinnwachstum mit einer günstigen Börsenbewertung vereinen. Jahrelang waren diese sogenannten Wachstumsaktien, die unter dem Begriff Growth-Aktien zusammengefasst werden, nicht besonders gefragt.

Es standen immer die Qualitätsaktien im Vordergrund, also Unternehmen mit hohen Dividendenzahlungen, soliden Bilanzen, aber meist geringem Wachstum. Wir schauen nicht nach Dividendenzahlern, sondern nach Unternehmen, die Gewinne auch in weiteres Wachstum investieren. Aber an jeder Form von Wachstum gab es in Europa eben große Zweifel. Anleger hatten deshalb gute Gründe, stärker auf Sicherheit zu setzen: also auf Staatsanleihen und Qualitätsaktien.

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Es gibt große politische Unsicherheiten, niedrige Zinsen und ein eher mageres Wachstum in Europa. Das spricht doch noch immer für eine vorsichtige Strategie und Dividenden?
Ich denke aber, dass das Gewinnwachstum künftig wichtiger wird und der neue Zins ist. Die Aktienauswahl und das Gewinnwachstum gewinnen an Bedeutung. Die defensiven Dividendentitel haben ihren Zenit erreicht, sie werden in Zukunft keine überdurchschnittlichen Renditen mehr bieten, weil sie oft teuer sind und nur ein sehr geringes Wachstum liefern. Mussten Anleger für solide europäische Dividendenaktien im Jahr 2009 im Schnitt nur das Neunfache eines Jahresgewinns zahlen, kosten sie jetzt das 22-Fache.

Der belgische Getränkehersteller AB Inbev meldete einen Gewinnrückgang, Danone und Nestlé schwörten Aktionäre auf ein niedrigeres Wachstum ein. Doch dafür sind die Aktien einfach zu teuer. Nachdem die Anleihen-Renditen im vergangenen Sommer den Tiefpunkt erreicht hatten und die Zinsen nicht weiter fallen, wird es für diese fast schon anleihe-artigen Aktien schwieriger. Anleger, die Anleihen durch diese Aktien ersetzt haben, griffen bei den Papieren zu, bei denen sie ihr Geld am schnellsten über Dividenden oder Aktienrückkäufe zurückbekommen. Aber das ist nicht unsere Strategie.

Was kosten denn die Aktien, die Sie im Portfolio des Fidecum avant-garde Stock Fund halten?
Die rund 50 Unternehmen kosten im Schnitt das 14-Fache der für dieses Jahr erwarteten Gewinne und wachsen im Durchschnitt über 15 Prozent. Sie sind so attraktiv bewertet, wie in den letzten 25 Jahren nicht mehr. Angeblich ist schon sehr viel Unsicherheit in den Kursen eingepreist. Qualität bieten mir diese Aktien auch, aber bei der Aktienauswahl achten wir besonders auf transparentes und vorhersehbares Wachstum, das durch besondere Innovationen getrieben wird. Das Management muss uns überzeugen, solide Bilanzen sind wichtig, genauso wie eine attraktive Bewertung für das erwartete Wachstum.

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