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Berufsalltag

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"Sinn ist etwas, was Personen selbst wahrnehmen"

Warum ist es für Unternehmen wichtig, dass ihre Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll erachten?
Unternehmen können ganz direkt davon profitieren. Es gibt ein Experiment, das diese Bedeutung schön verdeutlicht: Der US-Psychologe Adam Grant hat vor einigen Jahren eine Studie durchgeführt mit Angestellten eines Callcenters einer Universität, die Spenden von Alumni einzuwerben hatten. Grant teilte die Mitarbeiter in drei Gruppen ein: Die einen haben gearbeitet wie immer. Die zweite Gruppe bekam zwei (fingierte) Briefe, in denen ehemalige Mitarbeiter schrieben, sie habe der Job in der Karriere erheblich nach vorne gebracht. Die dritte Gruppe bekam zwei Dankes-Briefe, in denen die Schreiber davon berichteten, dass sie durch das eingeworbene Geld ein Stipendium bekamen, einen Studienabschluss machen konnten und nun einen tollen Job hatten und eine Familie ernähren konnten. Nach einem Monat wurden die Leistungen der drei Gruppen analysiert: Die dritte Gruppe hatte fast drei Mal so viele Spenden eingeworben wie die anderen beiden Gruppen, bei denen es keine ersichtliche Veränderung gab. Daraus lässt sich schließen: Wer sieht, dass die eigene Arbeit einen Nutzen für andere hat, der arbeitet besser und motivierter.

Gallup Engagement-Index 2017: So steht es in den G7 um die Arbeitsmotivation

USA

In den Vereinigten Staaten haben 33 Prozent der Beschäftigten eine hohe Bindung an ihren Arbeitgeber und ihren Job. 51 Prozent haben eine geringe Bindung, 16 Prozent gar keine.

Kanada

Bei den Kanadiern sind 20 Prozent mit Feuereifer bei der Arbeit. 66 Prozent haben nur eine geringe Bindung zu Job und Firma. 14 Prozent sind sowohl Beruf als auch Arbeitgeber völlig egal.

Deutschland

In Deutschland sind 15 Prozent mit Herzblut bei der Arbeit. Genauso viele haben überhaupt keine Bindung an den Arbeitgeber. 70 Prozent machen Dienst nach Vorschrift.

Großbritannien

Großbritannien liegt in punkto Bindung auf Platz vier der G7-Staaten. Hier sind elf Prozent mit Leidenschaft bei der Arbeit. 68 Prozent machen Dienst nach Vorschrift, 21 Prozent sind Job und Arbeitgeber total egal.

Japan

Schlecht steht es um die Motivation bei den Japanern: Nur sechs Prozent haben eine hohe Bindung. 71 Prozent haben innerlich gekündigt, 23 Prozent interessieren sich überhaupt nicht für ihren Job oder ihre Firma.

Frankeich

Auch in Frankreich haben nur sechs Prozent der Beschäftigten eine hohe Bindung zu Arbeit und Arbeitgeber. 69 Prozent bezeichnen ihre Bindung als gering, 25 Prozent sagen, sie haben gar keine Bindung an ihren Job.

Italien

Schlusslicht unter den G7 ist Italien: Nur fünf Prozent der Italiener haben eine hohe Bindung zu ihrem Job. 64 Prozent machen Dienst nach Vorschrift, 30 Prozent sind Job und Arbeitgeber völlig egal.

Jetzt hat aber natürlich nicht jeder Job diese soziale Komponente. Durch welche Aspekte lässt sich auch jeder andere Job so positiv sinnvoll empfinden?
Es gibt in jedem Unternehmen Dinge, auf die man stolz sein kann. Mich hat mal jemand gefragt: Was soll man da denn in der Schraubenfabrik annehmen – da ändert man ja mit seiner Arbeit nicht die Welt. Aber in der Schraubenfabrik stelle ich Material her, das dafür sorgt, dass andere Dinge richtig gut funktionieren. Die Schrauben können stabil und verlässlich, von guter Qualität sein. Darauf kann ein Mitarbeiter stolz sein. Und das lässt sich eigentlich auf jede Arbeit anwenden.

Können Manager in ihrer Rolle als Führungskraft Einfluss nehmen?
Können sie. Wichtig ist aber: Manager können der Arbeit ihrer Angestellten keinen Sinn geben. Denn Sinn ist etwas, was Personen selbst wahrnehmen. Entweder sehen sie aus ihrer Sicht einen Sinn in ihrem Tun – oder eben nicht. Manager können aber auf die Arbeitsbedingungen Einfluss nehmen – und so das Sinnerleben fördern. Etwa durch eine authentische und transparente Unternehmensorientierung. Die Dinge, die vom Unternehmen nach außen dargestellt werden, sollten sich im Handeln wiederspiegeln. Ist das nicht der Fall, kann das zu Zynismus bei den Mitarbeitern führen. Eine ebenso große Rolle spielt die Wertschätzung. Den Mitarbeitern muss überzeugend klargemacht werden: Aus diesem und jenen Grund brauchen wir euch! Dazu sollten allerdings auch die Manager den Sinn dieser Tätigkeiten kennen und sehen.

Was Vorgesetzte tun können, damit ihre Angestellten zufrieden sind (und bleiben)

Zur Studie

Für die Studie „Die Zeit ist reif. Glücklich arbeiten" hat der Personaldienstleister Robert Half gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Happiness works und dem Statistiker Nic Marks 23.000 Arbeitnehmer befragen lassen, rund 2400 davon aus Deutschland.

Wer macht Arbeitnehmer glücklich

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind gleichermaßen für das Betriebsklima zuständig, sagen 46 Prozent der Befragten. Mehr als jeder Dritte erwartet allerdings vom Unternehmen, für das Glück am Arbeitsplatz zu sorgen. Vorgesetzte können natürlich nicht dafür zuständig sein, für jeden den persönlichen Feelgood-Manager zu geben. Für ein besseres Betriebsklima sorgen können sie aber sehr wohl.

Suchen Sie die passenden Arbeitnehmer aus

Ein Veganer wird beim Schlachter nicht glücklich. Auch nicht, wenn er nur im Büro arbeiten muss. Wer dauerhaft zufriedene Mitarbeiter möchte, sollte nur Leute einstellen, die mit Ihren persönlichen und fachlichen Skills gut zum Unternehmen passen. Ihnen fällt es leichter, sich anzupassen, einzugewöhnen und gute Leistungen zu bringen. Das lohnt sich doppelt: Ein ungeeigneter Mitarbeiter kann die Arbeitsmoral eines gesamten Teams schwächen.

Geben Sie Verantwortung ab

Mitarbeiter wollen Verantwortung übernehmen: Wer das Gefühl hat, selbstständig wichtige Entscheidungen im Job zu treffen, wächst an dieser Herausforderung. Vorgesetzte sollten deshalb Verantwortung abgeben und ihren Mitarbeitern vertrauen. Wer sich sinnvoll in das Unternehmen einbringen kann, fühlt sich diesem auch stärker verbunden. 

Zeigen Sie Wertschätzung

Wer gute Arbeit leistet, will und soll auch gelobt werden. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass Sie ihre Arbeit und ihren Einsatz schätzen. Echte Anerkennung für gezeigte Leistungen schafft ein positives Arbeitsklima und motiviert Ihre Mitarbeiter zu weiteren Höchstleistungen.

Arbeit muss Sinn ergeben

Mitarbeiter, die ihre Aufgaben als sinnvoll erachten, sind stolz auf das, was sie tun – und sie sind stolz auf ihr Unternehmen. Die Studie zeigt, dass sinnstiftende Arbeit einer der wichtigsten Treiber für Freude im Job ist: Angestellte, die einen Sinn in ihrem Tun erkennen, sind 2,4 Mal zufriedner als andere. Machen Sie Ihren Mitarbeitern deshalb klar, wie wichtig ihr Beitrag für den Erfolg des Unternehmens ist.

Behandeln Sie Ihre Mitarbeiter fair und respektvoll

Leben Sie Fairness im Job vor und lassen Sie Ihre Angestellten an Ihren Entscheidungen teilhaben. Dazu gehört eine transparente Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern offen über Gehalt, Karrierechancen und Projekte – ohne dabei ein Teammitglied auszuschließen. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass sie sich jederzeit an Sie wenden können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Gutes Beispiel abgeben

Teamgeist, Kollegialität und gelebter Zusammenhalt sind der soziale Klebstoff in jedem Unternehmen. Führungskräfte müssen deshalb mit gutem Beispiel voran gehen: Wenn Sie einen positiven Umgang vorleben, beeinflussen Sie damit Ihr Team, Ihre Kunden und sogar die Kunden Ihrer Kunden.

Das sagen die befragten Arbeitnehmer wörtlich

Gefragt, wann sie im Berufsleben zufrieden oder glücklich sind, sagten Teilnehmer unter anderem: „Ich fühle mich wohl, wenn ich und meine Arbeit geschätzt werden. Wenn meine Meinung ernst genommen wird und ich mich einbringen kann.“ Oder: „Ich habe mich da am wohlsten gefühlt, wo nur Rahmenbedingungen angegeben wurden und ich mich selbst und meine Gedanken einbringen konnte.“ Ein anderer war dann besonders zufrieden, „als wir nach einem sehr stressigen und anstrengenden Vormittag eine Runde Eiscafé von der Chefin spendiert bekommen haben und diesen gemütlich zusammen genießen konnten.“

 

Wenn ich nun in meinem Job keinen Sinn für mich sehe – sollte ich mir dann also einen anderen Job suchen?
Die Forschung zeigt: Wenn bei den vier Merkmalen des Sinnerlebens schon ein Punkt rausfällt, dann sinkt für den Einzelnen der Sinn einer Tätigkeit. Im Leben allgemein lässt sich das gut ausbalancieren: Verliert eine Sache ihren Sinn, entdecken wir häufig andere Dinge, die wir als sinnvoller empfinden. Im Berufsleben kann es hingegen sehr schnell zu einer Sinnkrise führen.

Was kann ich dann tun?
Wenn mir bewusst wird, dass meine Arbeit für mich den Sinn verloren hat, kann ich verschiedene Schritte gehen. Eine Auszeit zur Reflexion ist hier sehr hilfreich, um zu sehen, was an der Arbeit noch wertvoll für mich ist, und wodurch verhindert wird, dass ich sie als sinnvoll erlebe. Im Anschluss ist ein Gespräch mit dem Vorgesetzten wichtig, das Klärung oder positive Veränderung anstoßen kann. Wenn nicht, dann kann ich entweder hinnehmen, nur um des Geldes Willen zu arbeiten – oder ich gehe. Letztlich muss man sich bewusst machen, dass das Erleben von Sinnlosigkeit seelische Auswirkungen haben kann, wie wir es auch von Burnout kennen. Es kommt zu Resignation und kann letztlich zu innerer Kündigung und einer schmerzhaften Sinnkrise führen.

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