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10.08.2017

12:00 Uhr

Nord Stream 2

Die Phalanx gegen die US-Sanktionen ist geschlossen

Von: Andreas Macho

  Die Finanzierer der Gasleitung Nord Stream 2 verteidigen das Projekt gegen US-Sanktionen. Rainer Seele, Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, sprach bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Klartext.

dpa

Um den heißen Brei herumreden, das kann Rainer Seele nicht. Der Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV fand bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2017 in Wien klare Worte in Bezug auf die neuen US-Sanktionen gegen Russland: „Wer sich den Gesetzestext ansieht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die USA durch diese Sanktionen mehr LNG nach Europa verkaufen wollen.“ An Änderungen beim Projekt Nord Stream 2 denkt Seele jedenfalls nicht: „Wir stehen vollumfassend hinter diesem Projekt.“

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Damit schloss Seele die Phalanx der deutschen und österreichischen Energieunternehmen gegen die US-Administration und deren neuen Strafmaßnahmen gegen Russland. Was die Unternehmen zusammenrücken lässt, ist die Pipeline Nord Stream 2, die von Russland durch die Ostsee Erdgas bis nach Deutschland leiten soll. Beteiligt an dem rund 9,5 Milliarden Euro schweren Projekt sind unter anderem die Konzerne Engie, Royal Dutch Shell, Uniper, Wintershall und OMV. Durch die neuen US-Strafmaßnahmen wird das Projekt für die Finanzierer zunehmend prekär, da die US-Sanktionen sich auch gegen Nicht-US-Unternehmen richten, die etwa an diesem russischen Projekt beteiligt sind.

Uniper und Wintershall hatten sich bereits eindeutig für den unveränderten Bau von Nord Stream 2 ausgesprochen. Das die geschlossene Front der Unternehmen ohne Unterstützung der Politik eher hilflos ist, ließ aber auch Seele anklingen und brachte als Druckmittel auf die europäische Politik ein klingendes Schlagwort mit: Versorgungssicherheit.

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Dabei hat Seele derzeit ohnehin den Rückhalt der europäischen Politik: „Nicht nur ich, auch die CEOs anderer Energieunternehmen sind froh, dass die europäische Politik nun rote Linien absteckt“, sagte Seele in Bezug auf die Reaktionen zu den US-Drohungen. So warnte etwa Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries die USA vor einem Handelskrieg. Dennoch mahnte Seele in Bezug auf die Versorgungssicherheit abermals zu mehr Aufmerksamkeit: „Europa kann doch nicht seine eigenen Anliegen vergessen.“

Assistiert in seinem Apell wurde Seele durch OMV-Vorstandsdirektor Manfred Leitner. Leitner brandmarkte die Absichten Amerikas, mehr Flüssiggas nach Europa zu exportieren, als den falschen Weg. So brächte das LNG genannte Flüssiggas Europa keine Versorgungssicherheit. „Man muss sich vorstellen, da fahren Schiffe mit dem LNG über die Meere und die sind dem Wetter ausgesetzt. Wettereinflüsse können durch Pipelines vermieden werden“, sagte Leitner und verwies auf den derzeitigen Markt: „Wenn LNG eine Alternative zu Erdgas wäre, würde ja längst mehr kommen.“ 

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Neben den deutlichen Worten zu Nord Stream 2 konnte Seele zudem eine Verdoppelung des operativen Ergebnisses – bereinigt um Lagerhaltungseffekte - auf 662 Millionen Euro verkünden. Der Umsatz stieg im 2. Quartal um 12 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Dennoch verbuchte der Konzern unterm Strich ein Minus von knapp einer Milliarde Euro.

Mit Blick auf das Ölgeschäft rechnet die OMV für 2017 mit einem Preis von 52 Dollar pro Barrel. Gedreht habe sich laut Seele zudem das Erdöl-Geschäft im Bürgerkriegsland Libyen. „Libyen ist am Weg zum Erfolg, wenigstens im Energiesektor“, sagte Seele. 

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